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Ochs und Esel machen Augen!

Die Schauspieler und Schauspielerinnen des einzigen professionellen Aargauer Ensembles können es auch in der Winterpause nicht lassen.

Die vier Geschichtenkuriere Thimna Fink,
Kurt Grünenfelder, Lilian Naef und Simon Chen.
(Foto: Stefan Worminghaus)

Als «Zwischenzückerli», wie die künstlerische Co-Leiterin Lilian Naef sagt, bietet das «Theater Marie» zum zweiten Mal Geschichtenkuriere an, die literarische Lesungen in die gute Stube oder an den Küchentisch bringen.

Literatur im Übergwändli

Im Vorfeld des Aarauer Kulturfests 2003 rückten die Kuriere zum ersten Mal aus. Im roten «Übergwändli» auf dem Velo belieferten sie die interessierte Kundschaft im Aargau mit Literatur und Theater. Damals hatten alle vier Schauspieler (in leicht anderer Besetzung) dasselbe Programm im Angebot, diesmal haben Thimna Fink, Lilian Naef, Simon Chen und Kurt Grünenfelder eigene Nummern zusammengestellt.

Simon Chens Programm heisst Bethlehem–Aarau. Als einziger trägt er unter dem gleichlautenden Titel eine «selbstgemachte» Geschichte vor. Darin wundern sich Ochs und Esel aus dem berühmten Stall in Bethlehem, wohin sich die Weihnacht seit deren Premiere entwickelt hat. Daneben liest Chen Texte von Kabarettisten wie Loriot oder Gerhard Polt und auch Politisches aus der Feder von Bertolt Brecht.

Kurt Grünenfelder kapriziert sich auf die eher schrägen Seiten der Weihnachtsliteratur und liest Texte des Dadaisten H. C. Artmann oder von Paul Auster. «Von Single Bells über verlorene Brieftaschen zu Weihnachten im August» heisst sein Zugang zum Frohen Fest. Lilian Naef liest zwar auch keine klassische Weihnachtsgeschichte, doch bei der satirisch-märchenhaften Erzählung «Nutzgeflügel» der rumänischen Autorin Ana Blandiana kann besinnliche Stimmung aufkommen.

Es darf geschenkt werden

Thimna Fink schliesslich widmet sich dem weihnächtlichen «Über-Thema» Schenken, doch auch sie wird mit einer humorvollen Interpretation und Texten von Erich Kästner oder O. Henry der Weihnacht neue Facetten abgewinnen. Was das Publikum von den Geschichtenkurieren allerdings nicht erwarten darf, ist eine Theatervorstellung. Das Theater Marie will bewusst nah an einer «klassischen Lesung», gewissermassen einer winterlichen Erzählsituation vor dem Kaminfeuer, bleiben. Dass sie aber szenische Improvisationen in ihr Programm aufnehmen, sei nicht ausgeschlossen, sagen sie schmunzelnd.