12.3.2004
globala,
glabala - wif, wef, waf am Gipfeli 8
Theaterspass
Das Theater Marie inszeniert politisches Welttheater
als dadaistisches Sprachspiel
"Wörter machen Sätze" heisst eine
Reihe der Aarauer Tuchlaube. Der Beitrag "Gipfeli
8" des Theaters Marie ist eine unterhaltsame Sprachcollage.
SABINE ALTORFER
Sprache ist Kommunikationsmittel - und noch viel mehr.
Diesen Mehrwert erforscht die neueste Produktion des Theaters
Marie und kostet ihn lustvoll aus: spielerisch, witzig
und fantasievoll. Sprache besteht nicht nur aus Wörtern
und Sätzen, sondern ist auch Klang und Rhythmus.
Auf diese Hörwirkung setzt das Theater Marie und
so ist "Gipfeli 8" denn auch mehr Musiktheater
oder Revue als Sprechtheater.
Schon der erste Auftritt von Lilian Naef mit hohem Filzhut
erinnert an Hugo Balls berühmte Dada-Revue, ebenso
die vorgehängten Business-Anzüge der vier Schauspielerinnen
und Schauspieler. Sie treten als gleichgeschalteter Chor
von Diplomaten und Managern auf. Der technisch anspruchsvolle
lautmalerische Gesang klingt perfekt, das Lächeln
für die fiktiven Kameras gelingt hervorragend, das
Getue imitiert und übersteigert die bekannten Bilder
aus dem TV.
Marionettenchor
Den Takt für die vier marionettenhaft agierenden Gipfelteilnehmer
gibt Lilian Naef an, die als überraschend vielseitig
agierendes Einfrauenorchester und Dirigentin vom Bühnenrand
die Fäden zieht. So singen die vier denn von "security"
von "globala, glabala", legen ein Potpurri bekannter
Melodien vor, vom Kirchenlied über Swing bis zum Westerngefiedel.
Vor ihrem "wif, wef, waf", das in Hundegeheul
endet, werden ihnen wef-mässig die Krawatten weggezupft.
Aus ihren Speeches hören wir nur die Schlagworte, die
geläufigen Worthülsen: "Die Welt hat Zweifel",
"Weg nach vorn", "neue Allianzen"...
Doch nicht die Aussagen zählen, sondern die Schlagworte
und vor allem der wirksame Auftritt.
Und den beherrschen Simon Chen, Thimna Fink, Barbara Gassner
und Kurt Grünenfelder. Jede Figur ist individuell gezeichnet
und gleichzeitig schaffen sie es, wie gleichgeschaltete
Bewegungs-, Sprech- und Gesangscomputer zu agieren. Was
die vier mimisch, gestisch und vor allem musikalisch zu
bieten haben, beeindruckt. Martin von Allmen hat als musikalischer
Leiter Erstaunliches zustande gebracht.
Inhaltliche Vertiefung findet dabei allerdings kaum statt
und die Handlungsmuster wirken mit der Zeit auch etwas stereotyp.
Trotzdem überzeugt "Gipfeli 8" als spritzige
dadaistische Persiflage auf die internationale Diplomatie.
Der Humor - mal vordergründig, mal wortspielerisch
subtil - sitzt, die Pointen treffen. "Globalle davon
profitieren?" fragt einer der Sprecher? Hier haben
Thaterprofis präzis zugehört und Sprache gekonnt
zugespitzt.
|
2006-01-16
Frick
Tabloid
«Die Welt hat Zweifel»
Das Aarauer Theater Marie mit «Gipfeli 8»
begeisterte mit viel Wortwitz im Meck à Frick.
Wenn vier Politiker um Worte ringen, sich in Wiederholungen
verlieren und in ihren steifen Anzügen marionettengleich
über «die Welt hat Zweifel» debattieren,
kann es sich entweder um eine reale Fernsehübertragung
oder um «Gipfeli 8», ein Stück des
Aarauer Theater Marie, handeln. Am Samstag gastierte
die Theatertruppe mit ihrem wortwitzigen Stück
im Meck à Frick.
Die Bühne wurde zu einem Plenarsaal hergerichtet.
Das Publikum sass arenaförmig nach oben, wurde
zu Teilnehmern an dem surrealistischen Treffen. Schon
der erste Auftritt von Lilian Naef machte klar, dass
sie in der Form eines vielseitigen «Einfrauorchesters»
den Takt angibt und vom Bühnenrand aus die Fäden
in der
Hand hält. Papierpuppen gleich wurden die grauen
Business-Anzüge den Schauspielern vorgehängt
und verstärkten so den steifen, aufgesetzten
Eindruck. Von draussen kamen die vier fiktiven Manager
und Diplomaten zu ihren Stehpulten und inszenierten
politisches Welttheater mit irrwitzigen dadaistischen
Wortkreationen.
Schnell wurde deutlich, dass Sprache nicht nur aus
Wörtern und Sätzen besteht, sondern auch
aus Rhythmus, Klang und Gestik. In fantasievoller
Weise verstanden es die Schauspieler, die Absurdität
auf die Spitze zu treiben. Kaum ein Thema wurde ausgelassen.
Schlagworte ersetzten tieferen Inhalt, liessen den
Dialog an der Oberfläche. Von der Terrorismusbekämpfung,
Globalisierung über die Stammzellenforschung
bis hin zur Klimaerwärmung mit ihren Auswirkungen
auf die dritte Welt, alles fand hier seinen musikalischen
Ausdruck. Der technisch anspruchsvolle Gesang zu eingängigen
Melodien klang perfekt und immer wieder zelebrierten
die vier ein aufgesetztes Lächeln für die
fiktiven Kameras. Trotz der uniformen Gleichschaltung
wurde jede der Figuren von den hervorragenden Akteuren,
Simon Chen, Barbara Gasser, Kurt Grünenfelder
und Thimna Fink individuell gezeichnet. Das Publikum
war sichtlich beeindruckt.
«Es war für uns als Veranstalter ein grosses
Experiment. Wir wollten das Meck-Publikum mit dem
speziellen Polittheater unterhalten, wussten aber
im Vorfeld nicht genau, wie es ankommt», freute
sich Margot Reimann über den Erfolg. (lar)
Die fiktiven Manager und Diplomaten vom Theater Marie
im Stück «Gipfeli 8». Lar
|
|